Geschichten zur Waldzeit der Ältesten

Traum vom Grün oder der Waldausflug

Eigentlich war es doch total verrückt, mit dem Taxi in den Wald bei Regen und fernem Gewitter zu fahren!

Wir wollten zuverlässich sein, einzig das. Mein Mann kann nicht so oft mit zu Ausflügen und Spazierwegen, denn er ist zu krank dafür.

Diesmal aber wollte er mich beschützen, deswegen heute Verlässlichkeit. Er hatte Angst um mein Ergehen im Wald beim Regen. Und auch ich wollte ihm so gern Natur bieten und die Begegnung mit lieben, befreundeten Frauen, die das organisiert hatten. Jeder also für den Anderen gedacht und gehofft.

Im Wald empfingen uns Ines und Stefanie. Es gab einen Unterschlupfplatz mit großem Zeltdach, Faltstühlen, Bänken mit Fellen und Decken sowie eine heiße Feuerschale. Der Kaffee war schon fertig und schmeckte uns allen vortrefflich. Eine Neunzigjährige war mit uns mit ihrem Rollator und so wachen Geistes, eine Lehrerin früher und sehr mutig.

Mein Mann las aus seinen eigenen Texten vor und wir sangen Frühlingslieder, wärmten uns am Feuer und der romantischen Athmosphäre durch das Wetter, das Grün, die Frauenfürsorge.

Wir wurden am Ende gebeten, uns in dem Wald jeder einen eigenen Platz zu suchen und dem Wald zu lauschen und innezuhalten mitten im Grün. Anschließend erzählten wir darüber.

Eine vegetarische Gemüsesuppe bereiteten wir gemeinsam zu, die vorzüglich schmeckte, auch wegen der Kräuter aus dem Wald.

Jeder hatte seine Freiheiten, am Schluß schien sogar die Sonne, es glitzerten tausend Tropfen im Grün wie Perlen. Mir schien die Farbe Grün als heilsam und beruhigend.

Wir kommen gern wieder und wieder und bringen möglichst auch Freunde mit und danken es auf unsere Weise.

Viel mehr Ältere, kranke Menschen brauchen solchen Ausflug und Naturberührung, dachten wir.

Ruth 06/2017

Die Wald-Feen

Am Dienstag kam Regen und wir fuhren mit einem Mann mit einem Transporter in den Wald. In der Nähe von Stadtroda waren wir plötzlich bei drei Frauen: Ines und Stefanie warteten dort auf uns und eine 90-Jährige Frau.

Es gab dort Planen, die den Regen fern hielten und dort gab es eine Feuerstelle mit einem Topf mit Deckel auf dem Feuer.

Ines machte das Essen mit ihren Händen und Stefanie massierte der 90-jährigen Frau und Ruth den Rücken.

Die Frauen sangen Mailieder und ich sang das Affenlied und ein Seemannslied.

Zwischendurch durfte ich rauchen und da plötzlich kam die Sonne durch.

Wir hatten dort Klappstühle und es war urgemütlich!

Ich konnte vier Texte vorlesen und wir freuten uns alle aneinander.

Ein anderer Mann holte uns ab und beide Männer waren sehr sympathisch und kräftig.

Die Wald-Feen waren für uns sowas ähnliches wie Himmel!

Wir unterhielten uns, obwohl Ruth und ich sehr krank sind.

Wir hatten keine Angst und keine Pein. Beide Feen waren für uns drei da. Das war sehr lebenserweckend.

Über uns über den Planen war der Wald und daneben. Und wir fühlten uns sehr vertraut.

Die Frauen wandelten in der Nähe und der Wald war mit vielen schönen Augen. Das Grün des Waldes war wie eine Zuflucht für unsere Seelen.

Die vier Frauen waren für mich wie Löwinnen. Gott erbarmte sich unser.

Es gab keine Lüge, auch nicht durch die Männer und Böses gab es auch nicht durch sie, im Gegenteil. Freiheit herrschte und herrscht weiterhin und es war hinterher auch so.

Ines und Stefanie holten uns drei hoch.

Die Frauen aßen köstliches Essen und ich aß Birnen, die von Ruth abgeschält waren und Ines sorgte für alles. Wir gaben eine kleine Spende für den Ausflug, der keineswegs bezahlt war, sondern der Waldkinder Verein trug das.

Wenn ich daran denke, höre ich den Gesang der Frauen. Im Wald haben wir Ruhe gefunden für einige Stunden. Die Männer und die Frauen sind für mich große Seelen. Mehr als Freundschaft, es war geistige Liebe. Ohne Hast und Eile waren wir dort. Es war sanft und wir bekamen Trost.

Dort auf der Erde war es sicher und ich bete für uns alle auf der Erde und im Himmel, die Stille samtig wie heute und weiterhin! Herzlichen Dank!

MS 02.06.2017

waldweise – am Luftschiff

Damit sind nicht weise Männer gemeint und schon gar nicht elternlose Kinder (die werden mit ai geschrieben), sondern die Weise (Art und Weise), wie man den Wald erlebt.

Zwei rührige Frauen, Ines Flade und Stefanie Schröder, haben sich gedacht, es ist doch traurig, wenn alte oder gebrechliche Menschen nicht mehr in den Wald gehen können. Sie starteten das Projekt „WAldWeiSe“.

Mit mehreren Autos wurden wir in den Wald gefahren, diesmal zum Luftschiff.

Auf der Streuobstwiese standen 8 bunte Campingstühle um eine Feuerstelle.

Zuerst sangen wir ein bisschen und schlugen dazu den Rhythmus mit Trommeln und zwei Klangstäben. Dann spielte Frau Flade auf der Ukulele. Dieses hübsche Instrument sieht aus wie eine winzige Gitarre; man hält es im linken Arm wie ein Baby.

Nun stellten wir uns selber vor. Für mich war es der dritte Ausflug nach dem Sperbergrund im Tautenburger Forst und einer wundervollen Blumenwiese zwischen Steinkreuz und Fuchsturm.

Eine gelbe runde Tischdecke war im Gras ausgebreitet mit allem, was man zu einer schmackhaften Mahlzeit braucht: Kartoffeln, Kürbis, Tomaten, Zwiebeln, Paprika.

Frau Flade verteilte die Zutaten an uns Teilnehmer.

Mir fiel die Aufgabe zu, in vorbereitete Äpfel eine köstliche Masse aus Honig und gemahlenen Walnüssen zu drücken – daraus wurden später Bratäpfel.

Während wir das Mittagessen vorbereiteten, las Martin R. selbst verfasste Geschichten vor.

Stefanie, die Physiotherapeutin, massierte alle, die es wollten – eine Wohlfühlmassage.

Auf dem Feuer rührte uns Ines in einem großen Topf alle Zutaten zu einer köstlichen Suppe.

Nach dem Essen konnte man sich auf einer Liege ausruhen. Ich zog es vor, an einer einsamen Stelle allein zu sitzen und auf das Säuseln der Bäume und das Wispern der Waldgeister zu lauschen.

Es war ein wunderschöner, harmonischer Tag. Nochmals vielen Dank!

26.09.2017, Mechthild Mindner

Dank

Dank an Ines und Stefanie und den Wald

Dank an das Feuer in den Herzen und auf der Feuerstelle.

Dank für die Glut in uns allen,

die wir eingeladen waren im Wald.

Dank für die Geborgenheit.

Dank für die Musik, unsere eigene Musik.

Dank den Melodien des Waldes und der Wiese,

die zu uns rüber klangen.

Dank an das Wetter, mal so, mal anders.

Dank an den Taxifahrer, über Stock und Stein fuhr er sicher.

Dank an das vegetarische Essen,

das wir alle zusammen zubereiten durften und verzehren.

Dank für das Sehen und Erleben, wie es andern geht.

Dank, dass nicht alles an uns krank ist,

sondern wir entdeckten aneinander viel Gesundes.

Dank für das Zuhören voneinander.

Dank für die Farbe Grün um uns,

wir sehen sie nun mit ganz anderen Augen,

den Augen der Gemeinschaft.

Dank für die Treue, die uns entgegenkam.

Dank für den Mut für das Waldprojekt.

Dank an die gütige Erlaubnis der Förster.

Dank an die Schmetterlinge des Sommers.

Dank für die Glut in unseren Herzen.

Sie wurde neu gestärkt.

24.09.2017, Ruth Berles